Kurzüberblick: Vier Technologien, ein Markt
Im Jahr 2026 dominiert eine Technologie den Photovoltaik-Markt fast vollständig: monokristallines Silizium – speziell in der PERC-, TOPCon- und HJT-Variante. Polykristallin ist weitgehend ausgestorben, Dünnfilm hat Nischenpositionen, und bifaziale Module setzen sich als Standard bei Neuanlagen zunehmend durch.
Dennoch ist es sinnvoll, alle Typen zu verstehen – denn auf dem Gebrauchtmarkt finden sich alle vier, und für spezielle Anwendungen (Fassade, BIPV, mobile Anlagen) sind Dünnfilm-Module nach wie vor relevant.
Monokristallines Silizium: Der Marktstandard
Monokristalline Module werden aus einem einzigen, homogenen Siliziumkristall (Czochralski-Verfahren) gefertigt. Das Resultat: gleichmäßige Kristallstruktur, hoher Wirkungsgrad, charakteristisch schwarze oder dunkelgraue Zellen.
Varianten monokristalliner Module 2026
PERC (Passivated Emitter and Rear Cell) war bis 2023 der Standard. Wirkungsgrade 20–22 %. Wird zunehmend von TOPCon verdrängt.
TOPCon (Tunnel Oxide Passivated Contact) ist der aktuelle Marktstandard bei chinesischen Herstellern. Wirkungsgrade 22–23 %, etwas besseres Temperaturverhalten als PERC. Kostet kaum mehr als PERC.
HJT (Heterojunction Technology) ist das Hocheffizienzsegment: Wirkungsgrade bis 25 % im Labor, 22–24 % in Serienmodulen. Deutlich besseres Temperaturverhalten (geringerer Leistungsabfall bei Hitze). Teurer (ca. 20–40 % Aufpreis), aber interessant für platzbeschränkte Dächer und anspruchsvolle Installationen. Hersteller: REC Group, Panasonic, Meyer Burger, einige chinesische Anbieter.
Polykristallines Silizium: Auslaufmodell
Polykristalline Module, erkennbar an der bläulichen, leicht schimmernden Oberfläche, waren bis ca. 2018 preislich attraktiv. Mit dem Preissturz monokristalliner Module gibt es keinen wirtschaftlichen Vorteil mehr. Wirkungsgrade 15–18 %, schlechteres Temperaturverhalten als Mono. In Neuanlagen 2026 kaum noch verbaut – auf dem Gebrauchtmarkt aber zu günstigen Preisen erhältlich.
Dünnfilm: Nischentechnologie mit klaren Stärken
Dünnfilm-Module bestehen nicht aus kristallinem Silizium, sondern aus dünnen Halbleiterschichten (typisch: CdTe, CIGS oder amorphes Silizium). Sie haben niedrigere Wirkungsgrade als Mono, aber klare Vorteile in bestimmten Situationen:
Besseres Diffuslichtverhalten: Dünnfilm produziert an trüben Tagen relativ mehr Strom als kristalline Module. Kein Temperaturkoeffizient-Problem: Kaum Leistungsverlust bei Hitze. Flexibel und leicht: Ideal für Fassaden, gewölbte Oberflächen und Leichtdachkonstruktionen.
Wichtigster Marktanbieter: First Solar (CdTe), vor allem für Großanlagen. Für österreichische Privathaushalte spielen Dünnfilm-Module 2026 kaum eine Rolle.
Bifaziale Module: Der neue Standard
Bifaziale Module sind eine Variante, keine eigene Zellklasse – sie können sowohl monokristallin (TOPCon bifazial) als auch Dünnfilm (CIGS bifazial) sein. Das Entscheidende: Licht trifft auf beide Seiten.
Die Rückseite nutzt reflektiertes Licht – von weißen oder hellen Untergründen wie Kies, Beton, heller Dachfolie oder Schnee. Der Mehrertrag (Bifacial Gain) beträgt typisch 5–15 % auf Schrägdächern und bis zu 25 % auf Flachdächern mit optimiertem Untergrund.
Direkter Vergleich: Alle Typen auf einen Blick
| Merkmal | Mono PERC | Mono TOPCon | HJT | Bifazial (TOPCon) | Polykristallin | Dünnfilm (CdTe) |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Wirkungsgrad | 20–22 % | 22–23 % | 22–24 % | 22–23 % + Bifacial | 15–18 % | 11–18 % |
| Temperaturkoeffizient | –0,35 % /°C | –0,30 % /°C | –0,25 % /°C | –0,30 % /°C | –0,40 % /°C | –0,25 % /°C |
| Leistungsgarantie | 25 Jahre / 80 % | 30 Jahre / 87 % | 30 Jahre / 90 % | 30 Jahre / 87 % | 25 Jahre / 80 % | 25–30 Jahre / 80 % |
| Preis (€/Wp, 2026) | 0,18–0,28 | 0,20–0,30 | 0,30–0,45 | 0,22–0,32 | 0,10–0,18 (Gebraucht) | 0,25–0,40 |
| Platzbedarf (rel. zu Mono) | Basis | –5 % | –8 % | –5 % | +25–35 % | +30–50 % |
| Verfügbarkeit AT | Sehr gut | Sehr gut | Gut (Nische) | Gut | Kaum noch neu | Nur Großanlagen |
| Für wen? | Standardfall | Empfehlung 2026 | Platzmangel, Premium | Flachdach, Freiland | Gebrauchtmarkt | Fassade, BIPV |
Die wichtigsten Hersteller 2026
| Hersteller | Herkunft | Technologie | Stärken |
|---|---|---|---|
| LONGi Solar | 🇨🇳 China | Mono TOPCon, HJT | Weltmarktführer Wirkungsgrad, innovativ |
| JA Solar | 🇨🇳 China | Mono PERC, TOPCon, Bifazial | Sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, zuverlässig |
| Jinko Solar | 🇨🇳 China | Mono TOPCon, Bifazial | Große Stückzahlen, günstig, global verfügbar |
| REC Group | 🇳🇴 Norwegen | HJT (Alpha/Alpha Pro) | Hoher Wirkungsgrad, europäischer Anbieter, lange Garantie |
| Meyer Burger | 🇩🇪 Deutschland | HJT (Heterojunction) | EU-Produktion, sehr hohe Qualität, 30 Jahre Garantie |
| Q Cells | 🇩🇪/🇰🇷 DE/Korea | Mono PERC, Q.PEAK DUO | Bekannte Marke, guter Service in AT, solide Qualität |
| First Solar | 🇺🇸 USA | CdTe Dünnfilm | Spitze für Großanlagen, EU-Produktion, hitzeresistent |
Warum Wirkungsgrad und Leistung nicht dasselbe sind
Ein häufiges Missverständnis: „höherer Wirkungsgrad = mehr Strom". Das ist nur bei identischer Fläche richtig. Was für die Anlage zählt, ist die Leistung in Watt Peak (Wp) und der Jahresertrag in kWh.
Rechenbeispiel: Auf einem 30 m² Süddach passen ca. 15 Standardmodule (je 2,0 m²) mit 400 Wp (PERC) = 6 kWp, oder 15 HJT-Module mit 450 Wp = 6,75 kWp. Der Mehrertrag des HJT-Moduls kommt also hauptsächlich aus der höheren Leistungsdichte – nicht weil der Wirkungsgrad höher ist, sondern weil auf derselben Fläche mehr kWp installiert werden können.
Bei großen Dächern ist der Wirkungsgradunterschied egal – man nimmt so viele Module wie nötig. Bei platzbeschränkten Dächern lohnt sich der Aufpreis für HJT oder TOPCon.
Was bedeutet der Temperaturkoeffizient?
Der Temperaturkoeffizient (in %/°C) beschreibt, wie stark die Modulleistung bei steigender Modultemperatur sinkt. Standard-Testbedingungen sind 25°C – reale Module auf österreichischen Dächern erreichen im Sommer leicht 60–70°C.
Rechenbeispiel: Ein PERC-Modul mit –0,35 %/°C verliert bei 65°C (40°C über Standard) ca. 14 % seiner Nennleistung. Ein HJT-Modul mit –0,25 %/°C verliert nur ca. 10 %. Bei 10 kWp bedeutet das ca. 400 kWh/Jahr Mehrertrag für HJT – ein echter, messbarer Unterschied bei österreichischen Sommern.
Zusammenfassung: Welches Modul soll ich 2026 wählen?
Für die meisten österreichischen Einfamilienhäuser ist ein monokristallines TOPCon-Modul von einem etablierten Tier-1-Hersteller (JA Solar, LONGi, Jinko) die beste Wahl: Sehr guter Wirkungsgrad, 30 Jahre Garantie, niedrigster Preis pro Watt Peak.
Bei platzbeschränktem Dach (viele Kamine, Gauben, Verschattungen) lohnt sich der Aufpreis für HJT (REC, Meyer Burger) – mehr kWp auf derselben Fläche, besseres Temperaturverhalten.
Auf dem Flachdach sollten bifaziale TOPCon-Module mit hellem Untergrund eingesetzt werden – der Bifacial Gain von 10–20 % amortisiert sich schnell.
Was Sie vermeiden sollten: polykristalline Neumodule (kaum noch erhältlich, kein Vorteil mehr), Hersteller ohne Tier-1-Status, und Module ohne klare Leistungsgarantie-Dokumentation.