Schritt 1: Gesamtstromverbrauch ermitteln

Grundlage ist Ihr jährlicher Stromverbrauch in kWh. Den finden Sie auf Ihrer Stromrechnung. Typische Werte:

HaushaltStromverbrauch/Jahr
1–2 Personen, ohne E-Mobilität/WP2.000–3.500 kWh
3–4 Personen, ohne E-Mobilität/WP3.500–5.500 kWh
4+ Personen oder Klimaanlage5.500–8.000 kWh
+ E-Auto (15.000 km/Jahr)+2.500–3.500 kWh
+ Luft-Wasser-Wärmepumpe (150 m²)+4.000–6.000 kWh
Tipp: Planen Sie bereits heute für E-Auto oder Wärmepumpe, auch wenn Sie diese erst in 2–3 Jahren anschaffen. Eine von Anfang an richtig dimensionierte Anlage spart spätere Nachrüstkosten.

Schritt 2: Ziel-Eigenverbrauchsanteil festlegen

Je nach Lebensstil und Flexibilität ist ein unterschiedlicher Eigenverbrauchsanteil realistisch:

SituationRealistischer Eigenverbrauch
Berufstätiges Paar, tagsüber weg, kein Speicher20–30 %
Homeoffice oder Rentnerpaar35–50 %
Mit Heimspeicher (10 kWh)60–75 %
Mit Speicher + E-Auto (Tagesladung)70–85 %
Mit Speicher + E-Auto + WP75–90 %

Schritt 3: Anlagengröße berechnen

Die Grundformel:

Benötigte kWp = Gesamtverbrauch (kWh/Jahr) ÷ Volllaststunden (h/Jahr)
Volllaststunden in Österreich: 900–1.100 h/Jahr (je nach Lage und Ausrichtung)

Beispiele für Österreich (1.000 h Volllaststunden als Mittelwert):

GesamtverbrauchEmpfohlene AnlagengrößeTypisches Szenario
4.000 kWh/Jahr5–7 kWpKleiner Haushalt ohne E-Mobilität
6.000 kWh/Jahr7–10 kWpFamilie ohne E-Auto/WP
8.000 kWh/Jahr10–13 kWpFamilie mit E-Auto
12.000 kWh/Jahr14–18 kWpFamilie mit E-Auto + Wärmepumpe
16.000 kWh/Jahr18–22 kWpGroßer Haushalt, alle Verbraucher elektrisch

Schritt 4: Dachfläche und Dacheignung prüfen

Ein modernes 420-Watt-Modul benötigt ca. 2 m². Für eine 10 kWp Anlage (24 Module) brauchen Sie rund 48 m² nutzbarer Dachfläche.

DachtypTypisch nutzbar für PVmax. Anlagengröße
Satteldach (beide Seiten, günstige Ausrichtung)40–80 m²15–25 kWp
Satteldach (nur Südseite)25–45 m²8–15 kWp
Pultdach Süd30–60 m²10–20 kWp
Flachdach (aufgeständert)je nach Größeunbegrenzt (Abstandsregeln)

Schritt 5: Ost-West oder Süd?

Eine häufige Entscheidung bei Satteldächern: Soll man nur die Südseite belegen oder auch Ost und West?

BelegungJahresertragErtragsprofilEmpfehlung
Nur Süd (optimal)100 %MittagsspitzeBei wenig Eigenverbrauch tagsüber
Ost + West85–90 %Morgen + Abend flacherBesserer Eigenverbrauch, weniger Einspeisung
Süd + Ost/West95–100 %Breites ProfilIdeal für Haushalt mit E-Auto

Schritt 6: Speicher mitplanen?

Wenn Sie einen Heimspeicher möchten, passen Sie die Anlagengröße leicht nach oben an – der Speicher braucht im Sommer Überschuss zum Laden. Faustformel: 1 kWh Speicher benötigt ca. 0,5–1 kWp mehr PV-Kapazität für optimalen Betrieb.

Schnell-Übersicht: Empfohlene Anlagengrößen 2026

Haushalt + AusstattungEmpfohlene PV-GrößeOptionaler Speicher
2 Personen, kein E-Auto/WP5–7 kWp5–7 kWh
4 Personen, kein E-Auto/WP8–10 kWp8–10 kWh
4 Personen + 1 E-Auto12–14 kWp10–12 kWh
4 Personen + Wärmepumpe14–16 kWp10–15 kWh
4 Personen + E-Auto + WP16–20 kWp15–20 kWh
Größer ist oft besser: Module und Wechselrichter kosten heute so wenig, dass eine etwas größere Anlage kaum teurer ist, aber deutlich mehr Eigenverbrauch und Einspeisevergütung bringt. Solange Dachfläche vorhanden ist: lieber 2–3 kWp mehr einplanen.

Schritt 7: Wechselrichter richtig wählen

Der Wechselrichter wandelt Gleichstrom der Module in Netzwechselstrom um und ist das Herzstück der Anlage. Bei der Dimensionierung gilt:

  • String-Wechselrichter: Ein zentrales Gerät für alle Module – ideal bei gleichmäßig ausgerichteten Dachlächen ohne Verschattung
  • Multi-String-Wechselrichter: Getrennte MPP-Tracker für verschiedene Ausrichtungen – ideal für Ost-West-Anlagen
  • Mikro-Wechselrichter: Je ein kleines Gerät pro Modul – ideal bei starker Teilbeschattung; teurer, aber maximale Flexibilität
WechselrichtertypGeeignet fürKosten (ca.)Typische Marken
String-WechselrichterGleichmäßige Ausrichtung, wenig Verschattung800–2.500 €Fronius, SMA, Huawei
Multi-StringOst-West-Anlage, 2+ Ausrichtungen1.200–3.500 €SMA Sunny Tripower, Fronius Symo
Mikro-WRStarke Teilverschattung, Balkon200–350 €/ModulEnphase, Hoymiles
Hybrid-WechselrichterPV + Heimspeicher kombiniert1.500–4.000 €Fronius GEN24, SMA Sunny Boy Storage

Praktische Dimensionierungsbeispiele aus Österreich

Beispiel 1: Stadthaus Wien, 2 Personen, ohne E-Auto

Stromverbrauch: 3.200 kWh/Jahr. Satteldach Süd, 45 m² nutzbar. Empfehlung: 6 kWp (14 Module), Einsparung ca. 700 €/Jahr, Amortisation ca. 7 Jahre.

Beispiel 2: Einfamilienhaus Graz, 4 Personen, 1 E-Auto

Stromverbrauch: 8.500 kWh/Jahr (inkl. 3.000 kWh E-Auto). Satteldach Ost-West, 65 m² nutzbar. Empfehlung: 13 kWp + 10 kWh Speicher, Einsparung ca. 1.800 €/Jahr, Amortisation ca. 8 Jahre.

Beispiel 3: Bauernhof Salzburg, 5 Personen, Wärmepumpe + E-Auto

Stromverbrauch: 16.000 kWh/Jahr. Scheunen-Pultdach Süd, 120 m² nutzbar. Empfehlung: 20 kWp + 15 kWh Speicher, Einsparung ca. 3.500 €/Jahr, Amortisation ca. 7 Jahre mit Förderungen.

Kosten pro kWp: Was ist aktuell realistisch?

AnlagengrößeGesamtkosten (ca.)Kosten pro kWpAmortisation (ca.)
5 kWp7.000–9.000 €1.400–1.800 €/kWp9–11 Jahre
10 kWp12.000–15.000 €1.200–1.500 €/kWp8–10 Jahre
15 kWp16.000–21.000 €1.050–1.400 €/kWp7–9 Jahre
20 kWp21.000–27.000 €1.050–1.350 €/kWp7–9 Jahre

Der Skaleneffekt ist deutlich: Größere Anlagen kosten pro kWp weniger, weil Montage, Netzanmeldung und Wechselrichter Fixkostenanteile haben. Das bestätigt: Im Zweifelsfall lieber größer dimensionieren.

Wann ist eine Anlage überdimensioniert?

Eine Anlage ist überdimensioniert, wenn sie deutlich mehr Strom produziert als sinnvoll eigenverbraucht oder eingespeist werden kann. Indizien:

  • Wechselrichter läuft dauerhaft in der Abregelung (Limitierung durch Netzbetreiber auf 70 % der Nennleistung)
  • Überschusseinspeisung zu 8 Cent/kWh wächst stark an, während kein weiterer Verbraucher (E-Auto, Speicher, WP) folgt
  • Payback-Zeit verlängert sich durch zu große Anlage im Verhältnis zum Verbrauch

Faustregel: Die Anlage ist optimal, wenn im Sommer maximal 50–60 % der Produktion eingespeist wird. Mehr als 70 % Einspeisung deutet auf Überdimensionierung hin – oder auf fehlendes Lastmanagement.

Fazit

Die optimale PV-Anlagengröße 2026 liegt für die meisten österreichischen Haushalte zwischen 8 und 16 kWp. Entscheidend ist nicht ein starrer Richtwert, sondern die ehrliche Bestandsaufnahme Ihres Verbrauchs – heute und in den nächsten 5 Jahren. Unser PV-Rechner hilft Ihnen dabei, die Zahlen personalisiert durchzurechnen.

Häufige Fragen zur PV-Anlage-Dimensionierung

Wie berechne ich, wie groß meine PV-Anlage sein soll?

Die einfachste Methode: Teilen Sie Ihren jährlichen Stromverbrauch (kWh/Jahr, aus Ihrer Stromrechnung) durch den standorttypischen Jahresertrag pro kWp (in Österreich ca. 1.000 kWh/kWp). Ergebnis: benötigte Anlagengröße in kWp. Bei 5.000 kWh/Jahr Verbrauch und 1.000 kWh/kWp Ertrag wären das 5 kWp. Berücksichtigen Sie künftige Mehrverbraucher (E-Auto, Wärmepumpe) bereits bei der Planung.

Soll ich eher eine größere oder kleinere Anlage wählen?

Im Zweifel die größere. Da die Einspeisevergütung (7–10 Cent/kWh) deutlich unter den Netzstrombezugskosten (28–32 Cent/kWh) liegt, ist Überdimensionierung wirtschaftlich sinnvoller als Unterdimensionierung. Zusätzliche kWp kosten im Rahmen einer Erstinstallation nur noch ca. 600–900 € – eine spätere Nachrüstung ist deutlich teurer (Statikerkosten, Wechselrichter-Anpassung, Gerüst).

Wie stark beeinflusst die Dachausrichtung den Ertrag?

Ein Süddach mit 30–35° Neigung liefert 100 % des maximalen Ertrags. Ost- oder Westdächer erreichen 75–85 % des Süd-Optimums – das ist oft wirtschaftlich trotzdem attraktiv. Norddach-Anlagen mit unter 50 % Ertrag sind selten wirtschaftlich sinnvoll. Bei Ziegeldach mit Verschattung durch Schornsteine oder Dachfenster empfiehlt sich eine professionelle Verschattungsanalyse.

Lohnt sich eine Ost-West-Aufteilung der Module?

Ja, oft sehr gut. Eine Ost-West-Aufteilung erzeugt zwar insgesamt etwas weniger Jahresertrag als ein reines Süddach, liefert dafür einen gleichmäßigeren Tagesverlauf – morgens und abends mehr Strom. Das erhöht den Eigenverbrauchsanteil, weil morgens (Frühstück, Kaffeemaschine) und abends (Herd, Waschmaschine) typischerweise mehr verbraucht wird als mittags.