Ist eine PV-Anlage automatisch mitversichert?
PV-Anlagen können grundsätzlich über drei Versicherungstypen abgedeckt sein: die Gebäudeversicherung (bei fest montierten Dachanlagen), die Haushaltsversicherung (selten, meist nur Diebstahl im Innenbereich) oder eine spezielle PV-Versicherung mit umfassender All-Risk-Deckung.
Das Problem: Die meisten Standardverträge in Österreich schließen PV-Anlagen nicht explizit ein – oder decken nur Teilschäden ab. Ohne ausdrückliche Klärung mit dem Versicherer ist eine PV-Anlage oft unzureichend geschützt.
Was deckt die Gebäudeversicherung ab?
Die Gebäudeversicherung ist der erste Anlaufpunkt für fest montierte Dachanlagen. Wenn PV-Module dauerhaft mit dem Gebäude verbunden sind (typisch bei Aufdachanlagen), gelten sie als Gebäudebestandteil und sind unter bestimmten Voraussetzungen mitgedeckt.
| Schadensart | Typisch gedeckt? | Hinweis |
|---|---|---|
| Sturm / Hagel | Ja (meist) | Ab Windstärke 7–8, abhängig vom Vertrag |
| Blitzschlag | Ja (meist) | Auch Überspannungsschäden oft inkludiert |
| Brand | Ja (meist) | Teil des Feuerrisikos |
| Diebstahl der Module | Teils | Oft nur wenn Einbruchdiebstahl nachweisbar |
| Technischer Defekt | Nein | Kein Versicherungsfall ohne äußere Ursache |
| Ertragsausfall | Nein | Nicht im Gebäudeversicherungsumfang |
Was leistet eine spezielle PV-Versicherung?
Speziell zugeschnittene PV-Versicherungen bieten deutlich umfangreicheren Schutz und sind in Österreich bei mehreren Versicherern erhältlich (u. a. Wiener Städtische, Uniqa, Allianz, Generali, Helvetia).
Typische Leistungsbausteine einer PV-Spezialversicherung:
- All-Risk-Deckung: Alle Schäden, die nicht explizit ausgeschlossen sind, sind versichert
- Technische Schäden: Wechselrichterdefekte, Kurzschlüsse, Überspannung
- Diebstahl komplett: Module, Kabel, Wechselrichter – auch von der Dachfläche
- Vandalismus: Beschädigung durch Dritte
- Ertragsausfall: Entschädigung für entgangenen Strom während der Reparaturzeit
- Marderbiss / Nagetiere: In vielen Tarifen explizit eingeschlossen
- Bedienfehler: Schäden durch unsachgemäße Bedienung oder Programmierung
Was kostet eine PV-Versicherung in Österreich?
| Anlagengröße | Jahresprämie (ca.) | Anmerkung |
|---|---|---|
| 5 kWp | 80–140 €/Jahr | All-Risk inkl. Ertragsausfall |
| 10 kWp | 130–220 €/Jahr | All-Risk inkl. Ertragsausfall |
| 15 kWp | 180–300 €/Jahr | All-Risk inkl. Ertragsausfall |
| 20 kWp | 230–380 €/Jahr | All-Risk inkl. Ertragsausfall |
Zum Vergleich: Eine 10 kWp Anlage erzeugt bei einem Ausfall über 4 Wochen in der Hauptsaison (Juni–August) einen Ertragsausfall von ca. 400–600 kWh – das entspricht bei entgangenem Eigenverbrauch ca. 110–170 € Verlust. Die Jahresprämie kostet also in etwa so viel wie ein einziger längerer Schadensfall im Sommer.
Balkonkraftwerke: Separat versichern?
Für steckerfertige Balkonkraftwerke (bis 800 W) gilt: Sie sind typischerweise nicht fest am Gebäude montiert und fallen daher nicht automatisch unter die Gebäudeversicherung. Bei manchen Versicherern sind sie über die Haushaltsversicherung als bewegliche Einrichtung mitgedeckt – das sollte individuell geklärt werden. Eine eigenständige PV-Versicherung lohnt sich bei Anlagewerten unter 1.000 € wirtschaftlich kaum.
Empfehlung: Drei Schritte zur richtigen Absicherung
- Bestehende Gebäude- oder Eigenheimversicherung auf die PV-Klausel prüfen lassen – am besten schriftlich beim Versicherer anfragen
- Wenn PV nicht explizit eingeschlossen: Erweiterung der bestehenden Police oder eine eigenständige PV-Police einholen
- Bei Anlagen über 10 kWp: Ertragsausfallversicherung mitversichern – der Mehraufwand ist gering, der Schutz erheblich
Der Versicherungsschutz ist ein überschaubarer Kostenpunkt (0,5–1 % des Anlagewertes pro Jahr). Im Schadensfall – einem Totalschaden durch Sturm, Brand oder Diebstahl – entscheidet er über die volle Kostenerstattung oder einen erheblichen Eigenanteil.