Ist eine PV-Anlage automatisch mitversichert?

Kurze Antwort: Manchmal – aber selten vollständig. Die Deckung hängt stark vom bestehenden Versicherungsvertrag und der Art der Anlage ab.

PV-Anlagen können grundsätzlich über drei Versicherungstypen abgedeckt sein: die Gebäudeversicherung (bei fest montierten Dachanlagen), die Haushaltsversicherung (selten, meist nur Diebstahl im Innenbereich) oder eine spezielle PV-Versicherung mit umfassender All-Risk-Deckung.

Das Problem: Die meisten Standardverträge in Österreich schließen PV-Anlagen nicht explizit ein – oder decken nur Teilschäden ab. Ohne ausdrückliche Klärung mit dem Versicherer ist eine PV-Anlage oft unzureichend geschützt.

Was deckt die Gebäudeversicherung ab?

Die Gebäudeversicherung ist der erste Anlaufpunkt für fest montierte Dachanlagen. Wenn PV-Module dauerhaft mit dem Gebäude verbunden sind (typisch bei Aufdachanlagen), gelten sie als Gebäudebestandteil und sind unter bestimmten Voraussetzungen mitgedeckt.

SchadensartTypisch gedeckt?Hinweis
Sturm / HagelJa (meist)Ab Windstärke 7–8, abhängig vom Vertrag
BlitzschlagJa (meist)Auch Überspannungsschäden oft inkludiert
BrandJa (meist)Teil des Feuerrisikos
Diebstahl der ModuleTeilsOft nur wenn Einbruchdiebstahl nachweisbar
Technischer DefektNeinKein Versicherungsfall ohne äußere Ursache
ErtragsausfallNeinNicht im Gebäudeversicherungsumfang
Wichtig: Prüfen Sie Ihren bestehenden Vertrag auf den Passus zu „Photovoltaikanlagen" oder „Solar- und Energiegewinnungsanlagen". Ältere Verträge aus der Zeit vor 2015 enthalten häufig keine explizite PV-Klausel – die Anlage wäre dann nicht gedeckt.

Was leistet eine spezielle PV-Versicherung?

Speziell zugeschnittene PV-Versicherungen bieten deutlich umfangreicheren Schutz und sind in Österreich bei mehreren Versicherern erhältlich (u. a. Wiener Städtische, Uniqa, Allianz, Generali, Helvetia).

Typische Leistungsbausteine einer PV-Spezialversicherung:

  • All-Risk-Deckung: Alle Schäden, die nicht explizit ausgeschlossen sind, sind versichert
  • Technische Schäden: Wechselrichterdefekte, Kurzschlüsse, Überspannung
  • Diebstahl komplett: Module, Kabel, Wechselrichter – auch von der Dachfläche
  • Vandalismus: Beschädigung durch Dritte
  • Ertragsausfall: Entschädigung für entgangenen Strom während der Reparaturzeit
  • Marderbiss / Nagetiere: In vielen Tarifen explizit eingeschlossen
  • Bedienfehler: Schäden durch unsachgemäße Bedienung oder Programmierung

Was kostet eine PV-Versicherung in Österreich?

AnlagengrößeJahresprämie (ca.)Anmerkung
5 kWp80–140 €/JahrAll-Risk inkl. Ertragsausfall
10 kWp130–220 €/JahrAll-Risk inkl. Ertragsausfall
15 kWp180–300 €/JahrAll-Risk inkl. Ertragsausfall
20 kWp230–380 €/JahrAll-Risk inkl. Ertragsausfall

Zum Vergleich: Eine 10 kWp Anlage erzeugt bei einem Ausfall über 4 Wochen in der Hauptsaison (Juni–August) einen Ertragsausfall von ca. 400–600 kWh – das entspricht bei entgangenem Eigenverbrauch ca. 110–170 € Verlust. Die Jahresprämie kostet also in etwa so viel wie ein einziger längerer Schadensfall im Sommer.

Balkonkraftwerke: Separat versichern?

Für steckerfertige Balkonkraftwerke (bis 800 W) gilt: Sie sind typischerweise nicht fest am Gebäude montiert und fallen daher nicht automatisch unter die Gebäudeversicherung. Bei manchen Versicherern sind sie über die Haushaltsversicherung als bewegliche Einrichtung mitgedeckt – das sollte individuell geklärt werden. Eine eigenständige PV-Versicherung lohnt sich bei Anlagewerten unter 1.000 € wirtschaftlich kaum.

Empfehlung: Drei Schritte zur richtigen Absicherung

So gehen Sie vor:
  1. Bestehende Gebäude- oder Eigenheimversicherung auf die PV-Klausel prüfen lassen – am besten schriftlich beim Versicherer anfragen
  2. Wenn PV nicht explizit eingeschlossen: Erweiterung der bestehenden Police oder eine eigenständige PV-Police einholen
  3. Bei Anlagen über 10 kWp: Ertragsausfallversicherung mitversichern – der Mehraufwand ist gering, der Schutz erheblich

Der Versicherungsschutz ist ein überschaubarer Kostenpunkt (0,5–1 % des Anlagewertes pro Jahr). Im Schadensfall – einem Totalschaden durch Sturm, Brand oder Diebstahl – entscheidet er über die volle Kostenerstattung oder einen erheblichen Eigenanteil.

PV-Versicherung inklusive Heimspeicher

Immer mehr PV-Anlagen werden mit einem Batteriespeicher kombiniert. Versicherungstechnisch ist das eine wichtige Ergänzung: Ein 10-kWh-Heimspeicher hat einen Wert von 6.000–10.000 € und erhöht das Schadensrisiko (z.B. Brandgefahr durch Lithium-Zellen). Viele PV-Spezialversicherungen decken Heimspeicher automatisch mit ein, wenn sie zusammen mit der PV-Anlage installiert wurden.

Achten Sie beim Vergleich auf:

  • Ist der Heimspeicher explizit in der Police erwähnt? Ohne Erwähnung ist er möglicherweise nicht gedeckt.
  • Welche Batterietypen sind versichert? LFP (Lithium-Eisenphosphat) und NMC sollten beide eingeschlossen sein.
  • Gilt die Deckung auch bei Tiefentladungsschäden? Diese sind technischer Natur und in vielen Standardpolicen ausgeschlossen.
  • Was ist der Ersatzwert? Zeitwert oder Neuwert? Bei Batterien, die nach 5 Jahren noch 80 % Kapazität haben, macht der Unterschied erheblich aus.

Haftpflichtrisiko: PV-Anlage als Risikoquelle für Dritte

Eine PV-Anlage kann nicht nur selbst beschädigt werden – sie kann auch Dritte schädigen. Typische Szenarien:

  • Modul fliegt vom Dach: Bei Sturm können sich Module lösen und benachbarte Objekte oder Personen treffen. Für Personenschäden haften Sie als Eigentümer.
  • Wechselrichter verursacht Brand: Ein Wechselrichterbrand kann auf das Gebäude und das Nachbargebäude übergreifen. Ohne ausreichende Haftpflichtdeckung tragen Sie die Kosten.
  • Rückspeisefehler / Netzbeeinflussung: Fehlfunktionen des Wechselrichters können in seltenen Fällen Netzprobleme verursachen.

Prüfen Sie Ihre bestehende Privathaftpflichtversicherung: Sind Schäden Dritter durch die PV-Anlage mitgedeckt? Viele Standardpolicen haben hier Deckungslücken, weil die PV-Anlage als „Energieerzeuger" gesehen wird und nicht als normales Haushaltsrisiko. Sprechen Sie mit Ihrem Versicherer und lassen Sie sich die Deckung schriftlich bestätigen.

Was tun im Schadensfall?

Im Schadensfall sollten Sie strukturiert vorgehen, um keine Ansprüche zu verlieren:

  1. Schaden sofort beim Versicherer melden – im Zweifelsfall telefonisch und schriftlich. Viele Versicherungen haben Meldefristen von 3–7 Tagen.
  2. Schaden fotografisch dokumentieren – bevor Reparaturarbeiten beginnen. Fotos, Videos, Datumsstempel.
  3. Keine eigenmächtigen Reparaturen ohne Freigabe des Versicherers, da sonst der Anspruch gefährdet werden kann.
  4. Ertragsausfall dokumentieren – falls Ertragsausfallversicherung vorhanden: Aufzeichnung der Ausfallzeit, Produktionsverlust aus dem Monitoring und Vergleichswerte des Vorjahres bereithalten.
  5. Gutachter beiziehen – bei größeren Schäden (über 5.000 €) empfiehlt es sich, einen unabhängigen Sachverständigen beizuziehen, um die Schadenssumme korrekt zu ermitteln.

Versicherungsanbieter im Überblick: Österreichische Optionen

VersichererProduktBesonderheiten
Wiener Städtische / Vienna Insurance GroupPV-Allrisk in GebäudepoliceErweiterbar, Speicher inkludierbar
UniqaEigenheim-Versicherung + PV-ZusatzFlexibler Bausteintarif
Allianz ÖsterreichEigenheim PremiumPV automatisch ab bestimmter Deckungssumme
Generali AustriaEigenheim All-RiskSpeicherdeckung auf Anfrage
HelvetiaSolarstrom-Versicherung (Spezialprodukt)Spezialisiert auf PV-Anlagen
Nürnberger (AT)PV-Schutz direktOnline abschließbar, klare Konditionen
Tipp: Vergleichen Sie nicht nur die Prämie, sondern auch die Deckungssumme und die Selbstbeteiligung. Eine günstige Police mit 1.000 € Selbstbeteiligung ist bei einem 3.000-€-Schaden praktisch wertlos. Achten Sie auf Selbstbehalte unter 300 €.

PV-Versicherung für Vermieter: Besonderheiten

Wenn Sie eine PV-Anlage auf einem vermieteten Objekt installieren, gelten besondere Regeln:

  • Gebäudeversicherung des vermieteten Objekts: Prüfen Sie, ob die PV-Anlage in die bestehende Gebäudeversicherung des Mietobjekts aufgenommen werden kann.
  • Ertragsausfallversicherung besonders wichtig: Bei Mietobjekten, bei denen die PV-Anlage zur Mieterversorgung dient (Gemeinschaftliche Erzeugeranlage / GEA), kann ein Anlagenausfall zu Lieferverpflichtungen führen.
  • Haftung gegenüber Mietern: Als Hauseigentümer haften Sie für Schäden durch die PV-Anlage am Mietobjekt. Eine ausreichende Haftpflichtdeckung ist unerlässlich.

Häufige Fragen zur PV-Versicherung

Muss ich meiner Versicherung melden, dass ich eine PV-Anlage installiert habe?

Ja, unbedingt. Eine PV-Anlage verändert den Wert Ihrer Liegenschaft und die Risikosituation. Wer die Installation nicht meldet, riskiert im Schadensfall eine anteilige oder vollständige Leistungsverweigerung wegen arglistiger Verschweigung. Informieren Sie Ihren Versicherer schriftlich und holen Sie eine Deckungsbestätigung ein.

Welcher Schaden ist durch die Gebäudeversicherung nicht abgedeckt?

Technische Defekte (z.B. Wechselrichterausfall nach Ablauf der Garantie), Ertragsausfall durch Produktionsunterbrechung und Schaden durch Bedienfehler sind in Standardversicherungen typischerweise ausgeschlossen. Genau diese Positionen sind aber in einer spezialisierten PV-Allrisk-Police abgedeckt – der wesentliche Vorteil spezieller PV-Versicherungen.

Wie lange läuft eine PV-Versicherung und kann ich kündigen?

Die meisten PV-Versicherungen laufen über ein Jahr mit automatischer Verlängerung. Sonderkündigungsrecht besteht nach einem Schadensfall sowie nach Prämienerhöhungen ohne entsprechende Leistungsverbesserung. Manche Versicherer bieten auch Laufzeiten von 5 oder 10 Jahren mit Prämiengarantie an – das kann bei zu erwartenden Preissteigerungen attraktiv sein.