Das österreichische Einspeisesystem 2026
In Österreich gibt es kein einheitliches Einspeisesystem mehr wie zu Zeiten der alten Ökostromgesetze. Stattdessen setzt sich der effektive Einspeisetarif aus mehreren Komponenten zusammen, die je nach Anlagengröße und Förderstatus unterschiedlich sind.
Für geförderte Anlagen (EAG-Marktprämie)
Wer eine EAG-Marktprämie über die OeMAG beantragt hat, erhält:
- EPEX Spot Day-Ahead Preis: durchschnittlich 6–10 Cent/kWh (2026)
- OeMAG-Marktprämie: Aufzahlung bis zum „Einheitswert" der jeweiligen Ausschreibungsrunde
Der garantierte Einheitswert liegt für Kleinanlagen unter 10 kWp aktuell bei ca. 9–11 Cent/kWh. Liegt der Marktpreis darüber, entfällt die Prämie bzw. muss sogar zurückgezahlt werden.
Für nicht-geförderte Anlagen
Ohne OeMAG-Förderung bleibt nur die Vergütung vom Netzbetreiber. Diese variiert je nach Bundesland und Netzbetreiber erheblich:
| Netzbetreiber / Region | Einspeisetarif (ca.) |
|---|---|
| Wien Energie (Wien) | 7–9 Cent/kWh |
| EVN (Niederösterreich) | 7–9 Cent/kWh |
| KELAG (Kärnten) | 7–8 Cent/kWh |
| Salzburg AG | 8–10 Cent/kWh |
| Energie AG (Oberösterreich) | 7–9 Cent/kWh |
| Innsbrucker Kommunalbetriebe | 8–10 Cent/kWh |
Eigenverbrauch vs. Einspeisung: Ein direkter Vergleich
| 1 kWh PV-Strom… | Wirtschaftlicher Wert |
|---|---|
| Selbst verbraucht (statt Netzbezug) | 28–32 Cent gespart |
| In Speicher geladen, abends genutzt | 24–30 Cent gespart (minus 10 % Speicherverlust) |
| E-Auto laden (statt Ladesäule) | 30–50 Cent gespart |
| Eingespeist ins Netz | 7–10 Cent Vergütung |
Die Konsequenz ist eindeutig: Jede kWh, die Sie selbst nutzen, ist 3–4× mehr wert als jede eingespeiste kWh. Die optimale Strategie für PV-Besitzer lautet daher: Eigenverbrauch maximieren, Einspeisung minimieren.
Strategien zur Eigenverbrauchsmaximierung
1. Wärmepumpen-Warmwasserbereiter
Ein Wärmepumpenboiler (z.B. Ochsner, Stiebel Eltron, Vaillant) heizt Warmwasser bevorzugt dann auf, wenn PV-Überschuss vorhanden ist. Kosten: ca. 1.200–2.000 €. Er ist deutlich billiger als ein Heimspeicher und hat ähnliche Wirkung auf den Eigenverbrauchsanteil.
2. Zeitgesteuerte Verbraucher
Waschmaschine, Geschirrspüler und Trockner lassen sich einfach auf die Mittagszeit programmieren. Ohne jede Zusatzinvestition steigt der Eigenverbrauchsanteil um 5–10 Prozentpunkte.
3. Überschussladen des E-Autos
Wallboxen mit PV-Überschuss-Funktion (z.B. Fronius Wattpilot, go-e Charger) laden das E-Auto nur dann, wenn die PV-Anlage mehr produziert als der Haushalt verbraucht. Kosten: 600–1.500 €. Ersparnis: bis zu 500 €/Jahr (je nach Fahrleistung).
4. Heimspeicher
Für Abend- und Nachtverbrauch – wirtschaftlich allerdings nur in bestimmten Konstellationen sinnvoll. Siehe unseren Artikel zur Heimspeicher-Wirtschaftlichkeit.
Wann lohnt sich die OeMAG-Marktprämie trotzdem?
Auch bei niedrigen Einspeisevergütungen lohnt sich die OeMAG-Registrierung in diesen Fällen:
- Anlage ist bereits groß und produziert mehr als der Haushalt je verbrauchen kann
- Kein oder kleiner Heimspeicher vorhanden
- Kein E-Auto, keine Wärmepumpe
- Jede eingesparte Kilowattstunde ist besser als gar nichts
Besteuerung von PV-Einspeisung
Seit 2022 gilt in Österreich: Einspeisevergütungen bis 12.500 €/Jahr sind für Privatpersonen einkommensteuerfrei (§ 3 Abs. 1 Z 39 EStG). Das betrifft die meisten Privathaushalte – eine steuerliche Hürde gibt es in der Praxis selten. Wer gewerblich betreibt, muss die Einkünfte jedoch versteuern.
Fazit
Die Einspeisung ist in Österreich 2026 wirtschaftlich das Schlusslicht unter den PV-Nutzungsformen. Nicht weil die Tarife schlecht sind, sondern weil der Eigenverbrauch durch hohe Netzpreise so attraktiv ist. Die beste Strategie: OeMAG-Marktprämie beantragen und gleichzeitig alle Hebel für höheren Eigenverbrauch nutzen.